Sind Vernissagen in Afrika anders als in Europa?

Diese schwerwiegende Frage stellte sich mir heute Abend in Kigali im noblen Novotel-Hotel. Das Hotel, der Kulturminister von Rwanda, der DED Deutsche Entwicklungsdienst und die Banque Commerciale de Kigali (BCR) hatten zur Vernissage und gleichzeitiger Präsentation des Wettbewerbs „Kunst für den Frieden” eingeladen.

Zuerst gab’s Drinks, wie Primus-Bier, Coke, Fanta und Weine aus Südafrika. Dazu wurden trockene Häppchen, garniert mit Crevetten oder Thunfischpaste sowie mit Tomatenanstrich gereicht. Hier besteht ein erster, ganz grosser Unterschied zu den trockenen Peanuts und den Züfpenstückli in der Schweiz. Die Bilder an den Wänden und die Plastiken am Boden wurden eifrig beaugapfelt und mit mehr oder weniger sinnigen Kommentaren bedacht. Die Stimmung wurde immer hitziger (kein Problem bei 26 Grad Aussentemperatur um halb sieben abends) und die Stimmen lauter um gehört zu werden. Die Damen waren nach der letzten Mode gekleidet und als Frisur schienen feine Zöpfchen über den Kopf nach hinten getrimmt angesagt. Natürliche Wellen im Haar, wie hier allerseits von Geburt an üblich, scheint verpönt zu sein und auch die Dreadlocks einer ganz mutigen Spät-Achziger-Dame wurden schräg wahrgenommen. Die Herren trugen die Haare ganz ganz kurz, fast war gar kein Haar mehr auszumachen. Glatzen (hier nicht im Sinne unserer nördlichen Nachbarn) scheinen der dominierende Kopfschmuck zu sein. Da habe ich ja noch etwas vor mir, ich mit meinem Moos und einem Bart um das Kinn.

Die Bekleidungen waren insgesamt eher als traditionell zu bewerten: Die Herren, insbesondere die steifen Botschafter, schwitzten wohlverdient in Anzug und Krawatte und die noblen Damen wählten aus der Garderobe den letzten Ethno-Chic mit passendem Kopfschmuck.

Die Reden waren insgesamt zu lang und zu wenig aussagend, sozusagen wie immer an solchen Anlässen, eine rhetorische Wüste. Hinweise auf den Pinsel als verlängerter Gedanken der KünstlerInnen mögen ja schön tönen, kommen aber doch gestelzt und abgedroschen daher und tragen den, falls effektiv vorhandenen, inneren Werten der Werke kaum Rechnung. Auch die Hochstilisierung der Kunst als Motor des Business tönen aus dem Munde des Kulturministers eher beängstigend als befreiend oder anregend. Und um Freiheit geht’s doch auch in der Kunst. Auch hier in Afrika und nicht nur in der alten Welt. Was wollen da Banken als Sponsoren welche den erstplatzierten KünstlerInnen grosszügige und vor allem grossformatige Checks übergeben, welche in der Schweiz kaum die Materialkosten der Arbeiten decken würden. Auf die billige Tour schnallt sich da die erste Bank im Land KünstlerInnen vor den Werbekarren und versucht, sich mit dieser Art des Sponsorings in ein besseres (zu was wohl) Licht zu rücken.

Die Unterschiede sind also eher sehr bescheiden und die Frage nach dem Sinn des Besuchs einer Vernissage kann wohl nur mit dem Niederschreiben eben dieser Feststellungen beantwortet werden.

Fred Sommer, Kigali – Rwanda, Oktober 2007

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